RATGEBER · KNX IM NEUBAU

Welche Leitungen muss ich für Smart Home im Rohbau legen?

Nach dem Verputzen ist es zu spät. Diese Leitungen und Leerrohre müssen vorher in die Wand, egal ob Sie KNX, Funk oder erst einmal gar nichts planen.

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit ca. 7 Minuten

Kurz gesagt
  • Alle 230-V-Leitungen sternförmig zum Verteiler, nicht von Dose zu Dose.
  • Eine Busleitung zu jedem Taster, Melder und Fenster, auch wenn Sie noch unsicher sind.
  • Leerrohre in jeden Raum, zur Fassade und in den Garten. Sie kosten fast nichts und retten Sie später.
  • Netzwerkkabel zu jedem Fernseher, Arbeitsplatz und Deckenpunkt für WLAN.

Die Elektroplanung ist der Moment, in dem Smart Home entschieden wird. Nicht beim Kauf der Geräte, nicht bei der Programmierung. Was jetzt nicht in die Wand kommt, lässt sich später nur mit Stemmarbeiten oder gar nicht nachrüsten. Dieser Artikel zeigt Ihnen Raum für Raum, was Sie dem Elektriker sagen sollten.

1. Die Grundregel: sternförmig verkabeln

Bei einer normalen Elektroinstallation gehen die Leitungen von einer Dose zur nächsten. Der Lichtschalter sitzt direkt in der Leitung zur Lampe. Bei Smart Home muss jeder Verbraucher einzeln zum Verteiler geführt werden. Nur dann kann ein Aktor im Verteiler jede Lampe, jeden Rollladen und jede Steckdose einzeln schalten.

Das bedeutet konkret: Jede Lampe, jeder Rollladenmotor und jede schaltbare Steckdose bekommt eine eigene Leitung bis zum Verteiler. Das sind mehr Leitungen als üblich, aber die Mehrkosten im Neubau sind überschaubar.

Taster brauchen bei KNX keine 230-V-Leitung mehr, nur die Busleitung. Bei Funk oder einer klassischen Lösung ist es sinnvoll, trotzdem eine Leitung zu jedem Schalter zu legen.

2. Die Busleitung: grün und überall

Die KNX-Busleitung (grün, Typ J-Y(St)Y 2×2×0,8) ist dünn, günstig und darf zusammen mit 230-V-Leitungen verlegt werden. Legen Sie sie an jede Stelle, an der später ein Gerät sitzen könnte:

  • Jeder Taster, also überall dort, wo heute ein Lichtschalter wäre, und gern einer mehr neben dem Bett oder am Esstisch.
  • Eine Dose in der Decke in Flur, Bad, WC, Küche, Treppenhaus, Hauswirtschaftsraum und Garage für Präsenzmelder.
  • Jedes Fenster und jede Außentür für Fensterkontakte. Die Leitung endet in einer kleinen Dose neben dem Fenster.
  • Ein Punkt an der Fassade (Richtung Süden, oben) für die Wetterstation.
  • Technikraum und Heizung, damit die Heizung später mit dem Smart Home sprechen kann.

Die Busleitung darf als Linie durch das Haus laufen, sie muss nicht sternförmig sein. Wichtig ist nur, dass sie überall dort ankommt, wo Sie sie brauchen.

3. Leerrohre: die günstigste Versicherung

Ein Leerrohr kostet wenige Euro pro Meter. Durch ein Leerrohr können Sie später jedes Kabel nachziehen, ohne eine Wand zu öffnen. Legen Sie Leerrohre:

  • vom Verteiler in jeden Raum, mindestens eines pro Raum, besser zwei
  • vom Verteiler zur Fassade für Kamera, Klingel und Wetterstation
  • vom Verteiler in den Garten für Bewässerung, Beleuchtung und eine spätere Terrassensteuerung
  • vom Verteiler zur Garage und zum Carport für die Wallbox
  • vom Technikraum zum Dach für eine spätere PV-Anlage

Verwenden Sie Leerrohre mit mindestens 25 mm Durchmesser und lassen Sie einen Zugdraht einziehen. Dann klappt das Nachziehen auch Jahre später.

4. Netzwerk: Kabel schlägt WLAN

Viele Smart-Home-Probleme sind in Wahrheit WLAN-Probleme. Ein Netzwerkkabel ist zuverlässiger, schneller und stört nicht. Legen Sie Netzwerkkabel (Cat 7) zu:

  • jedem Fernseher und jedem Arbeitsplatz
  • einem Punkt in der Decke pro Etage für einen WLAN-Zugangspunkt
  • Haustür und Garage für Kamera und Türsprechanlage
  • dem Technikraum, wo später Home Assistant, Router und Netzwerkschrank stehen

Alle Netzwerkkabel enden an einem Ort, meist im Technikraum. Planen Sie dort Platz für einen kleinen Netzwerkschrank ein.

5. Der Verteiler: eine Nummer größer

In einem Smart-Home-Haus sitzen viele Aktoren im Verteiler. Ein normaler Zählerschrank ist dafür zu klein. Planen Sie mit dem Elektriker einen Verteiler mit mindestens 30 % Reserve ein. Wenn der Platz da ist, lassen sich später Aktoren ergänzen. Wenn nicht, muss ein zweiter Schrank her, und der passt oft nicht mehr in die Nische.

Gut ist auch ein eigener Platz für Home Assistant, Netzwerk und Internet, idealerweise im selben Raum wie der Verteiler.

Raum für Raum: was wohin gehört

RaumDas sollte in die Wand
Flur, TreppeDeckendose für Präsenzmelder, Taster am Eingang, Leitung zur Haustür für Kontakt und Klingel
WohnzimmerMehrere getrennt schaltbare Lichtkreise, Taster an jedem Durchgang, Rollladenleitungen, Netzwerk zum Fernseher, Leerrohr
KücheGetrennte Kreise für Arbeitslicht und Deckenlicht, schaltbare Steckdosen, Deckendose für Melder
SchlafzimmerTaster an beiden Bettseiten, Rollladen, Fensterkontakte, Heizungsleitung
KinderzimmerWie Schlafzimmer, dazu eine Reserve-Leitung für spätere Wünsche
Bad, WCDeckendose für Präsenzmelder, Lüftung schaltbar, Heizung, Fensterkontakt
TechnikraumGroßer Verteiler, Platz für Netzwerkschrank, Busleitung zur Heizung, Leerrohr zum Dach
AußenLeerrohre zu Fassade, Garten und Garage, Leitung für Wetterstation, Außenlicht einzeln

Alle 64 Punkte zum Abhaken, Raum für Raum und Gewerk für Gewerk, finden Sie in der KNX-Rohbau-Checkliste. Damit gehen Sie die Elektroplanung mit Ihrem Elektriker durch und vergessen nichts.

Was Sie dem Elektriker sagen sollten

Viele Elektriker arbeiten nach dem Standard, den sie seit Jahren kennen. Sagen Sie klar, was Sie wollen, am besten schriftlich und vor dem Angebot:

  1. „Alle Verbraucher sternförmig zum Verteiler, einzeln geschaltet.“
  2. „KNX-Busleitung zu allen Tastern, Meldern, Fenstern, zur Fassade und zur Heizung.“
  3. „Leerrohre in jeden Raum, zur Fassade, in den Garten und zur Garage.“
  4. „Netzwerkkabel zu Fernseher, Arbeitsplätzen, Decke pro Etage und Haustür.“
  5. „Verteiler mit 30 % Reserve und Platz für Netzwerk.“

Wenn der Elektriker abwinkt oder sagt, das brauche man nicht: Holen Sie ein zweites Angebot ein. Es geht um Ihr Haus für die nächsten 30 Jahre.

Sie möchten sicher sein, dass nichts fehlt? Ich prüfe Ihre Elektroplanung aus KNX-Sicht, bevor die Leitungen liegen. Planung prüfen lassen

Häufige Fragen

Muss ich mich schon im Rohbau für KNX entscheiden?

Nein, aber Sie sollten die Leitungen so legen, als ob. Busleitung und Leerrohre kosten wenig. Ob Sie dann KNX-Geräte einbauen oder zunächst normale Schalter, können Sie später entscheiden.

Was kostet die zusätzliche Verkabelung im Rohbau?

Für ein Einfamilienhaus liegen die Mehrkosten für sternförmige Verkabelung, Busleitung und Leerrohre meist bei 1.500 bis 4.000 € gegenüber einer herkömmlichen Installation.

Reicht WLAN nicht für Smart Home?

Für ein paar Geräte ja. Für ein ganzes Haus wird WLAN schnell zum Engpass, vor allem bei Kameras und Fernsehern. Netzwerkkabel in die wichtigsten Räume sind die zuverlässigere Lösung.

Darf die Busleitung mit 230 V zusammen verlegt werden?

Ja, die KNX-Busleitung ist dafür zugelassen und darf im selben Rohr oder Kanal liegen. Netzwerkkabel sollten dagegen getrennt von 230-V-Leitungen laufen.

Sie planen gerade Ihr KNX-Haus?

Ich prüfe Ihre Planung oder das Angebot Ihres Elektrikers, bevor die Wände zu sind, und sage Ihnen ehrlich, was fehlt und was Sie sich sparen können.

Planung prüfen lassen Alle Ratgeber