RATGEBER · KNX IM NEUBAU

7 Fehler bei der KNX-Elektroplanung, die Bauherren teuer zu stehen kommen

Die meisten Probleme im Smart Home entstehen nicht beim Programmieren, sondern Monate vorher auf dem Papier. Diese Fehler sehe ich immer wieder.

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit ca. 6 Minuten

Ein KNX-Haus ist nur so gut wie seine Planung. Wenn die Wände zu sind, lässt sich vieles nicht mehr ändern, und was sich ändern lässt, kostet ein Vielfaches. Hier sind die sieben Fehler, die ich bei Bauherren am häufigsten sehe, und was Sie stattdessen tun sollten.

Fehler 1: Die Elektroplanung dem Hausanbieter überlassen

Im Standardpaket vieler Hausanbieter steht „Elektroinstallation nach DIN 18015“. Das ist das Minimum: ein Lichtauslass pro Raum, ein paar Steckdosen, Schalter an der Tür. Mit Smart Home hat das nichts zu tun. Wer sich darauf verlässt, bekommt ein Haus, in dem nachträglich nichts mehr geht.

Besser: Fordern Sie eine eigene Elektroplanung an, bevor der Rohbau steht. Legen Sie fest, was jeder Raum können soll. Das KNX-Raumbuch hilft dabei.

Fehler 2: Zu wenige Leitungen und keine Leerrohre

Jede Leitung, die im Rohbau fehlt, kostet später das Zehnfache. Dabei ist Kabel im Rohbau das Günstigste am ganzen Smart Home. Besonders oft vergessen: Deckendosen für Präsenzmelder, Leitungen zu den Fenstern, ein Leerrohr zur Fassade.

Besser: Lieber eine Leitung zu viel als eine zu wenig. Leerrohre in jeden Raum, zur Fassade, in den Garten und zur Garage. Mehr dazu im Artikel Welche Leitungen muss ich im Rohbau legen?

Fehler 3: Den Verteiler zu klein planen

Ein KNX-Verteiler braucht Platz für Aktoren, Netzteil, IP-Schnittstelle und Reihenklemmen. Viele Hausanbieter planen den Standard-Zählerschrank. Der ist am Ende randvoll, und für jede spätere Erweiterung muss ein zweiter Schrank her.

Besser: Verteiler mit mindestens 30 % Reserve. Dazu Platz für Netzwerk und Home Assistant im selben Raum.

Fehler 4: Zu viele Taster an den falschen Stellen

Aus Gewohnheit planen viele Bauherren einen Schalter an jeder Tür, wie bisher. Bei KNX ist das oft überflüssig: Im Flur, im Bad und im WC übernehmen Präsenzmelder das Licht. Teure Taster an Stellen, die niemand benutzt, sind verschenktes Geld.

Besser: Taster dort, wo Sie bewusst etwas einstellen: am Bett, am Esstisch, am Sofa, an der Haustür. Alles andere automatisch über Melder.

Fehler 5: Keinen festen Ansprechpartner für KNX

Der Elektriker zieht die Leitungen, der Hausanbieter koordiniert, irgendjemand soll später programmieren. Wenn es dann nicht funktioniert, zeigt jeder auf den anderen. Am Ende steht der Bauherr mit einem Haus da, in dem die Rollläden nicht fahren.

Besser: Klären Sie vor Baubeginn schriftlich, wer wofür zuständig ist: Wer plant, wer verlegt, wer programmiert, wer übergibt. Das Übergabe-Paket „Wer macht was?“ enthält genau diese Zuständigkeitsliste zum Ausfüllen.

Fehler 6: Heizung und PV-Anlage nicht mitdenken

Die Heizung kommt vom Heizungsbauer, die PV-Anlage vom Solarteur, das Smart Home vom Elektriker. Drei Gewerke, die oft nicht miteinander reden. Später wundert man sich, warum die Wärmepumpe nichts vom Sonnenstrom weiß.

Besser: Busleitung und Netzwerk bis zur Heizung und zum Wechselrichter legen. Beim Kauf von Wärmepumpe und Wechselrichter fragen, ob sie eine offene Schnittstelle haben (zum Beispiel Modbus oder KNX). Dann kann Home Assistant später alles verbinden.

Fehler 7: Keine saubere Übergabe

Das Haus ist fertig, alles funktioniert, der Programmierer ist weg. Zwei Jahre später soll ein Taster anders belegt werden, und niemand hat die ETS-Projektdatei. Ohne diese Datei muss die Anlage aufwendig ausgelesen oder neu aufgebaut werden.

Besser: Bestehen Sie bei der Abnahme auf der kompletten Übergabe: ETS-Projektdatei, Passwörter, Dokumentation der Gruppenadressen und eine Liste aller Geräte. Das gehört Ihnen, Sie haben es bezahlt.

Die kurze Checkliste

  1. Eigene Elektroplanung vor dem Rohbau, nicht das Standardpaket
  2. Sternförmige Verkabelung, Busleitung überall, Leerrohre in jeden Raum
  3. Verteiler mit 30 % Reserve
  4. Taster nur dort, wo man bewusst bedient, sonst Präsenzmelder
  5. Schriftlich klären, wer wofür zuständig ist
  6. Heizung und PV mit Schnittstelle einplanen
  7. ETS-Projektdatei und Dokumentation bei der Übergabe einfordern

Sie sind mitten in der Planung und möchten sicher sein, dass nichts fehlt? Ich prüfe Ihre Elektroplanung und das Angebot des Elektrikers aus KNX-Sicht, solange Änderungen noch nichts kosten. Planung prüfen lassen

Häufige Fragen

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die KNX-Planung?

Vor dem Rohbau, am besten zusammen mit der Elektroplanung. Nach dem Verputzen lassen sich fehlende Leitungen nur noch mit großem Aufwand nachrüsten.

Was muss bei der Übergabe eines KNX-Hauses dabei sein?

Die ETS-Projektdatei, alle Passwörter, eine Dokumentation der Gruppenadressen und eine Geräteliste. Ohne die Projektdatei sind spätere Änderungen aufwendig und teuer.

Brauche ich einen eigenen KNX-Planer?

Nicht unbedingt. Ein guter Elektriker mit KNX-Erfahrung reicht oft. Wichtig ist, dass jemand die Planung aus KNX-Sicht prüft, bevor die Leitungen liegen.

Sie planen gerade Ihr KNX-Haus?

Ich prüfe Ihre Planung oder das Angebot Ihres Elektrikers, bevor die Wände zu sind, und sage Ihnen ehrlich, was fehlt und was Sie sich sparen können.

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