RATGEBER · KNX IM NEUBAU

KNX oder Funk: Was lohnt sich im Neubau?

Beide Wege führen zum Smart Home. Aber nur einer lässt sich im Neubau später noch ändern, ohne Wände aufzustemmen. Ein Vergleich ohne Fachchinesisch.

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit ca. 7 Minuten

Kurz gesagt
  • Neubau, lange wohnen, viel Automatik: KNX. Es läuft über Kabel, braucht keine Batterien und funktioniert auch in 20 Jahren noch.
  • Bestand, Miete oder kleines Budget: Funk. Es ist schnell nachgerüstet und deutlich günstiger beim Einstieg.
  • Die Mischung ist oft am klügsten: KNX für alles, was fest im Haus ist (Licht, Rollläden, Heizung). Funk für Dinge, die dazukommen (Steckdosen, Saugroboter, Sensoren).

Wer heute baut, steht vor der Frage: Verkabeltes System oder Funk? Elektriker empfehlen oft das, was sie kennen. Hersteller empfehlen das, was sie verkaufen. Hier bekommen Sie den Vergleich aus Sicht eines Bauherrn, der im Haus wohnen will und nicht jedes Jahr Batterien wechseln möchte.

Was ist der Unterschied?

KNX ist ein Bussystem. Jeder Taster, jeder Melder und jeder Aktor im Verteiler hängt an einer grünen Busleitung. Darüber reden die Geräte miteinander. KNX ist ein offener Standard, den mehr als 500 Hersteller nutzen. Gira, MDT, ABB, Siemens, Busch-Jaeger und viele andere Geräte funktionieren zusammen.

Funk heißt: Die Geräte sprechen drahtlos miteinander. Bekannte Systeme sind Homematic IP, Zigbee, Z-Wave, Shelly (WLAN) oder Loxone Air. Ein Schalter sendet ein Signal, eine Steckdose oder ein Unterputzmodul empfängt es. Dazwischen steht meist eine Zentrale.

Beides kann Licht schalten, Rollläden fahren und Heizungen regeln. Der Unterschied liegt darin, wie zuverlässig das über viele Jahre funktioniert und was passiert, wenn Sie etwas ändern wollen.

Der Vergleich im Überblick

KriteriumKNX (Kabel)Funk
Einstiegskostenhochniedrig
Zuverlässigkeitsehr hoch, keine Störungengut, aber abhängig von Reichweite und Störungen
Batterienkeinebei vielen Tastern und Sensoren ja
Nachrüsten im Bestandaufwendig, Wände öffneneinfach
Ändern nach dem Einzugper Software, ohne Bauarbeitenper App
Abhängigkeit vom Herstellergering, offener Standardoft hoch, geschlossenes System
Cloud nötig?neinje nach System ja
Lebensdauer20 Jahre und mehr5 bis 10 Jahre, dann oft Gerätewechsel
Wiederverkaufswert des Hausespositivneutral

Wo KNX klar vorne liegt

  • Es fällt nicht aus. Kabel haben keine Reichweitenprobleme, keine Störungen durch Nachbarn und keine leeren Batterien. Wenn Sie abends das Licht anmachen, geht es an. Immer.
  • Sie sind nicht an eine Firma gebunden. Geht ein Hersteller pleite oder stellt eine Produktlinie ein, kaufen Sie einfach bei einem anderen. Bei Funksystemen ist das oft das Ende.
  • Keine Cloud, kein Abo. KNX funktioniert im Haus, auch ohne Internet. Niemand kann Ihnen per Software-Update Funktionen wegnehmen.
  • Umbauen ohne Baustelle. Soll der Taster im Flur plötzlich die Rollläden steuern statt das Licht? Das ist eine Stunde Programmierung, kein Elektriker.
  • Es sieht aus wie Elektroinstallation. Keine Boxen auf der Fensterbank, keine Hubs im Regal. Alles sitzt im Verteiler.

Wo Funk klar vorne liegt

  • Der Preis am Anfang. Ein Funk-Grundsystem für ein ganzes Haus bekommen Sie für 1.500 bis 4.000 €. Bei KNX fangen Sie bei etwa 8.000 € an.
  • Nachrüsten. Im bestehenden Haus gibt es keine Alternative. Niemand stemmt eine fertige Wohnung für eine Busleitung auf.
  • Schnell ausprobieren. Eine Funksteckdose ist in fünf Minuten eingerichtet. Wer nur testen will, ob Smart Home etwas für ihn ist, fängt hier an.
  • Mobile Dinge. Saugroboter, Lautsprecher, eine Lampe auf dem Sideboard: Das bleibt Funk, auch im KNX-Haus.

Die ehrliche Antwort für Bauherren

Wenn Sie neu bauen und planen, länger als zehn Jahre im Haus zu wohnen, ist KNX die bessere Wahl für alles, was fest zum Haus gehört: Licht, Rollläden, Heizung, Präsenzmelder, Fensterkontakte. Die Mehrkosten liegen im Neubau bei etwa 30 bis 50 % der Elektroinstallation. Auf den gesamten Hauspreis gerechnet sind das wenige Prozent, und Sie haben dafür ein System, das so lange hält wie das Haus selbst.

Funk ergänzt das KNX-Haus für alles, was später dazukommt. Über eine Zentrale wie Home Assistant lassen sich beide Welten verbinden, sodass Sie am Ende ein Dashboard für alles haben.

Wenn Sie dagegen ein bestehendes Haus kaufen, zur Miete wohnen oder das Budget sehr knapp ist, ist Funk die richtige Wahl. Dann lieber ein gutes Funksystem ohne Cloud-Zwang als gar kein Smart Home.

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Drei Fehler, die Sie vermeiden sollten

  1. Aus Kostengründen auf Funk setzen und später bereuen. Wer im Neubau Funk nimmt, spart heute vielleicht 8.000 €. Wenn in zehn Jahren das System nicht mehr unterstützt wird, zahlt er doppelt.
  2. Alles über eine Cloud laufen lassen. Prüfen Sie bei jedem Funksystem, ob es ohne Internet funktioniert. Wenn nicht: Finger weg.
  3. Keine Leerrohre legen. Selbst wer sich für Funk entscheidet, sollte im Rohbau Leerrohre zu allen Räumen legen. Dann kann er später jederzeit umsteigen.

Lesen Sie dazu auch: Was kostet KNX im Einfamilienhaus? und Welche Leitungen muss ich im Rohbau legen?

Häufige Fragen

Kann ich KNX und Funk kombinieren?

Ja, das ist sogar sinnvoll. KNX übernimmt Licht, Rollläden und Heizung. Funk ergänzt Geräte, die später dazukommen. Über Home Assistant lassen sich beide Welten in einem Dashboard zusammenführen.

Ist Funk im Neubau immer die schlechtere Wahl?

Nein. Wenn das Budget sehr knapp ist oder Sie nur wenige Funktionen wollen, ist ein gutes Funksystem ohne Cloud-Zwang eine vernünftige Lösung. Legen Sie dann aber Leerrohre, damit Sie später umsteigen können.

Gibt es KNX auch per Funk?

Ja, KNX RF. Es ist für Nachrüstungen gedacht und kostet meist 20 bis 40 % mehr als die Kabelvariante. Im Neubau ist die Busleitung die bessere Wahl.

Wie lange hält ein KNX-System?

KNX gibt es seit über 30 Jahren, und Geräte aus den 1990er-Jahren laufen heute noch. Der Standard ist abwärtskompatibel. Rechnen Sie mit 20 Jahren und mehr.

Sie planen gerade Ihr KNX-Haus?

Ich prüfe Ihre Planung oder das Angebot Ihres Elektrikers, bevor die Wände zu sind, und sage Ihnen ehrlich, was fehlt und was Sie sich sparen können.

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