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KNX-Angebot prüfen: 10 Punkte, die drinstehen müssen

Das Angebot vom Elektriker liegt auf dem Tisch, drei Seiten, 18.000 €. Aber ist alles drin? Mit dieser Checkliste gehen Sie es in 20 Minuten durch und wissen, wo Sie nachfragen müssen.

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten

Kurz gesagt
  • Ein gutes KNX-Angebot ist konkret: Hersteller, Typ, Stückzahl und Preis pro Position. „Smart-Home-Paket pauschal“ ist kein Angebot, sondern eine Wette.
  • Die drei häufigsten Lücken: Programmierung fehlt oder ist viel zu knapp, der Verteiler ist zu klein, und niemand hat festgelegt, wer die Dokumentation macht.
  • Billig ist selten günstig: Was im Angebot fehlt, kommt später als Nachtrag. Dann zum Stundensatz, nicht zum Angebotspreis.

Die meisten Bauherren bekommen genau ein KNX-Angebot, nämlich das vom Elektriker, den der Bauträger oder Architekt vorschlägt. Vergleichen können sie es mit nichts. Und selbst wer zwei Angebote hat, sieht oft nur: Das eine ist 4.000 € günstiger. Warum, steht nirgends.

Diese Checkliste ist aus den Angeboten entstanden, die ich in den letzten Jahren für Bauherren im Raum Ludwigsburg durchgesehen habe. Dieselben Punkte fehlen immer wieder. Gehen Sie Ihr Angebot Punkt für Punkt durch und markieren Sie, was unklar ist. Damit gehen Sie dann zum Elektriker.

Die Checkliste

  1. Steht bei jedem Gerät Hersteller und Typ?Ein Schaltaktor ist nicht gleich ein Schaltaktor. „Schaltaktor 12-fach“ kann 300 € oder 600 € kosten. Ohne Hersteller (z. B. MDT, Gira, ABB) und Typbezeichnung können Sie weder Preise vergleichen noch in zehn Jahren Ersatz kaufen.Nachfragen: „Können Sie mir bitte die Typen eintragen?“ Ein seriöser Elektriker macht das in zehn Minuten.
  2. Passt die Zahl der Aktorkanäle zu Ihrem Haus?Zählen Sie grob: Jede Lampe oder Lampengruppe, die einzeln schaltbar sein soll, braucht einen Kanal. Jeder Rollladen einen Jalousiekanal. Jeder Heizkreis einen Heizungskanal. Ein 150-m²-Haus landet schnell bei 30 bis 40 Lichtkanälen, 10 bis 14 Rollläden und 8 bis 12 Heizkreisen. Steht im Angebot ein einziger 12-fach-Aktor, fehlt etwas.Nachfragen: „Wie viele Kanäle sind eingeplant, und wie viel Reserve bleibt?“ 20 % Reserve sind normal.
  3. Wo wird gedimmt, und steht das als eigene Position drin?Dimmen braucht Dimmaktoren, und die sind etwa doppelt so teuer wie Schaltaktoren. Wenn Sie im Wohnzimmer, Essbereich und Schlafzimmer dimmen wollen und im Angebot kein Dimmaktor steht, wird das später teuer. Auch wichtig: Passt der Dimmaktor zu Ihren Leuchten (LED 230 V, 24-V-Stripes, DALI)?Nachfragen: „Welche Räume sind dimmbar geplant und mit welcher Technik?“
  4. Ist die Programmierung drin, und mit wie vielen Stunden?Das ist die häufigste Lücke. Oft steht da „Inbetriebnahme pauschal 800 €“ oder gar nichts. Für ein Einfamilienhaus mit Komfort-Ausstattung sind 40 bis 60 Stunden ETS-Programmierung normal, also 3.000 bis 7.000 €. Wer 800 € anbietet, macht entweder nur „Licht an, Licht aus“ oder rechnet später nach.Nachfragen: „Was genau ist in der Programmierung enthalten, und wer macht sie?“ Siehe auch: Was gehört zur KNX-Programmierung?
  5. Sind Taster und Präsenzmelder einzeln aufgeführt?Taster kosten bei KNX 120 bis 250 € pro Stück, Präsenzmelder 130 bis 250 €. Bei 20 Tastern und 10 Meldern sind das allein 4.000 bis 6.000 €. Steht nur „Bedienelemente nach Bedarf“, wissen Sie nicht, was Sie bekommen.Nachfragen: „Welche Taster sind geplant, wie viele Wippen, und in welchen Räumen Präsenzmelder?“
  6. Ist der Verteiler groß genug?KNX-Aktoren brauchen Platz. Ein KNX-Haus braucht einen Verteiler mit 5 bis 7 Reihen, oft zwei Schränke. Steht im Angebot ein normaler 3-Reihen-Zählerschrank, ist er zu klein. Nachträglich erweitern ist teuer und hässlich.Nachfragen: „Wie viele Teilungseinheiten hat der Verteiler, und wie viele bleiben frei?“ Ein Drittel sollte frei bleiben.
  7. Sind die Leitungen sternförmig zum Verteiler geplant?Bei KNX geht jede Lampe, jeder Rollladen und jede Steckdosengruppe mit einer eigenen Leitung zum Verteiler. Das ist deutlich mehr Kabel als bei einer normalen Installation. Steht im Angebot eine Position „Leitungen pauschal wie Standard“, wurde das nicht eingerechnet.Nachfragen: „Ist die Verkabelung sternförmig geplant, und sind Leerrohre zu allen Räumen enthalten?“ Dazu: Welche Leitungen muss ich im Rohbau legen?
  8. Ist eine IP-Schnittstelle oder ein IP-Router drin?Ohne IP-Schnittstelle (ca. 150 bis 300 €) kommt niemand per Software an die Anlage, weder zum Programmieren noch für Handy-Steuerung oder Home Assistant. Fehlt oft, weil der Elektriker sie nur „für sich“ mitbringt und wieder mitnimmt.Nachfragen: „Bleibt eine IP-Schnittstelle fest in der Anlage?“
  9. Wer macht die Dokumentation, und bekommen Sie das ETS-Projekt?Das ETS-Projekt ist die Datei, in der Ihre ganze Programmierung steckt. Ohne sie kann später niemand etwas ändern, außer dem, der sie hat. Manche Firmen behalten sie bewusst. Außerdem brauchen Sie eine Liste aller Gruppenadressen und einen Verteilerplan.Nachfragen: „Bekomme ich das ETS-Projekt und die Dokumentation nach Abnahme ausgehändigt?“ Die Antwort muss ja sein.
  10. Steht drin, was NICHT enthalten ist?Gute Angebote haben einen Absatz „Nicht enthalten“. Typisch: Visualisierung, Einbindung von Heizung oder PV, Netzwerk, Türsprechanlage, Wetterstation. Fehlt dieser Absatz, nehmen Sie an, alles sei drin. Der Elektriker nimmt an, es sei nicht drin. Das gibt Ärger auf der Baustelle.Nachfragen: „Was ist ausdrücklich nicht in diesem Angebot enthalten?“

Drei Warnsignale

„Smart-Home-Paket pauschal“Eine Zeile, eine Summe, keine Details. Das kann alles oder nichts sein. Lassen Sie sich die Positionen auflisten, sonst können Sie das Angebot nicht bewerten.
Deutlich günstiger als die anderenWenn ein Angebot 5.000 € unter den anderen liegt, fehlt fast immer etwas. Meistens Programmierung, Dimmaktoren oder Verteilergröße. Billig anbieten, teuer nachtragen ist ein bekanntes Muster.
Alles von einem Hersteller, der nicht KNX istWenn im Angebot ein geschlossenes System steht (Funk oder ein herstellereigener Bus), ist das kein KNX, auch wenn es ähnlich heißt. Prüfen Sie, ob Sie später Geräte anderer Hersteller einbauen können. Dazu: KNX oder Funk: Was lohnt sich im Neubau?

So ordnen Sie den Preis ein

Für ein Einfamilienhaus mit 120 bis 150 m² und Komfort-Ausstattung (Licht, Dimmen in Wohnräumen, Rollläden, Heizung je Raum, Präsenzmelder) sind 15.000 bis 25.000 € für den KNX-Teil normal, inklusive Material, Installation und Programmierung. Liegt Ihr Angebot deutlich darunter, prüfen Sie die Punkte 2, 4 und 6 besonders genau. Liegt es deutlich darüber, schauen Sie auf Hersteller und Tasteranzahl.

BlockWas dazugehörtRichtwert
KNX-GeräteAktoren, Taster, Melder, Netzteil, Schnittstelle4.500 – 8.000 €
Leitungen und VerteilerBusleitung, sternförmige 230-V-Leitungen, größerer Verteiler3.500 – 5.500 €
Arbeit des ElektrikersVerlegen, Verteiler bauen, anschließen6.000 – 10.000 €
ProgrammierungETS, 40 – 60 Stunden, Dokumentation2.800 – 7.200 €

Die ausführliche Aufschlüsselung mit Einzelpreisen finden Sie im Ratgeber Was kostet KNX im Einfamilienhaus?

Was Sie jetzt tun sollten

  1. Angebot ausdrucken, Checkliste daneben. Jeden Punkt abhaken oder mit einem Fragezeichen versehen.
  2. Alle Fragezeichen in eine Mail. Höflich, sachlich, als Liste. Ein guter Elektriker antwortet gern, weil es ihm später Ärger erspart.
  3. Raumbuch machen, falls noch nicht geschehen. Dann wissen Sie selbst, was jeder Raum können soll, und können prüfen, ob das Angebot dazu passt. Mit dem KNX-Raumbuch mit Rechner geht das Raum für Raum.
  4. Im Zweifel ein zweites Paar Augen. Bei 20.000 € lohnt sich eine Stunde Prüfung durch jemanden, der täglich KNX-Angebote sieht.

Wichtig: Ich bin kein Elektriker und mache keine 230-V-Installation. Ich plane und programmiere KNX und prüfe Angebote aus Sicht des Bauherrn. Die Installation macht immer der Elektrofachbetrieb.

Häufige Fragen

Was kostet die KNX-Programmierung üblicherweise?

Für ein Einfamilienhaus mit Komfort-Ausstattung sind 40 bis 60 Stunden normal, bei Stundensätzen zwischen 70 und 120 €. Steht im Angebot eine Pauschale von wenigen hundert Euro, ist meist nur die Grundfunktion gemeint.

Muss der Elektriker die Programmierung selbst machen?

Nein. Viele Elektriker verlegen die Leitungen und bauen den Verteiler, die Programmierung übernimmt ein Systemintegrator oder ein spezialisierter Programmierer. Wichtig ist nur, dass im Angebot klar steht, wer was macht.

Was ist, wenn im Angebot kein Hersteller steht?

Dann fragen Sie nach. „Schaltaktor 12-fach“ kann von MDT für 300 € oder von einem Premium-Hersteller für 600 € sein. Ohne Hersteller und Typ können Sie weder Preise vergleichen noch später Ersatz besorgen.

Darf ich das Angebot von jemand anderem prüfen lassen?

Natürlich. Ein zweites Paar Augen ist bei einer Investition von 15.000 bis 25.000 € normal. Seriöse Elektriker haben damit kein Problem.

Ihr Angebot liegt schon auf dem Tisch?

Schicken Sie es mir. Ich gehe es mit Ihnen durch und sage Ihnen ehrlich, was fehlt, was zu viel ist und wo Sie nachfragen sollten. Bevor Sie unterschreiben.

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